Das Lernen lernen – Praxistipps für Eltern

Katja KnochAllgemein

Bildschirmfoto 2016-06-30 um 22.27.31Wie können SchülerInnen effektiver lernen durch das Anwenden von Lernstrategien, die zum eigenen Lerntyp passen? Und wie können sie die Eltern dabei konstruktiv unterstützen? Das war das Kernthema des Vortrags „Das Lernen Lernen“, zu dem am 13.6.2016 der Elternbeirat der Schillerschule Bensheim eingeladen hatte. Über 60 Eltern und auch einige Lehrer aus allen Klassenstufen und weiteren Schulen der Umgebung fühlten sich in Ihre Schulzeit zurückversetzt und erlebten einen spannenden Abend mit praktischen Übungen und Tipps zum Thema effektiver Lernen.

Der Referent Jürgen Möller, Gymnasiallehrer und Gründer der Initiative LVB Lernen e.V., forderte Juergen_Moeller_LVBauch die Zuschauer heraus: jeder erhielt einen Zettel mit 20 Begriffen, die sollten innerhalb von zwei Minuten auswendig gelernt werden. „Meer, Tulpe, Sessel, Hubschrauber, Narzisse… oder doch die Nelke?“ Nach wenigen Begriffen wusste die Personen aus den ersten Reihen nicht mehr weiter. „Völlig normal“, kommentierte Möller. Die aus den hinteren Reihen konnten sich an fast alles erinnern. Der Trick: auf ihrem Zettel waren die Begriffe in Kategorien zusammengefasst. Strukturiertes Lernen, so die erste Erkenntnis, funktioniert leichter.

Das Ultrakurzzeitgedächtnis mit seiner begrenzten Aufnahmekapazität (nur bis zu 7 Informationen werden hier gespeichert), das Kurzzeitgedächtnis als Zentrale des Gehirns und das Langzeitgedächtnis als Lagerhalle unseres Wissens, das sind die drei Stationen, die nachhaltiges Lernen durchlaufen muss. Und die gilt es sinnvoll zu nutzen. Wenn neu erworbenes Wissen verfestigt werden soll, braucht es nach dem Lernen eine Ruhephase von ca. 20 Minuten. Wer sich direkt nach dem Lernen vor den Fernseher, an den Computer oder die Spielkonsole setzt, überlagert den Lernstoff und stört diesen Vorgang. Wer stattdessen in der Natur spazieren geht oder sich bewegt, unterstützt sein Gehirn bei dieser Arbeit.Foto 1

Und wenn dieser Lernstoff weiterhin abrufbar bleiben soll, kommt man um Wiederholungen nicht herum. Denn was das Gehirn länger nicht braucht, wird aussortiert. Als Empfehlung nennt Herr Möller das Karteikasten-System. Zum Auffrischen von bereits Gelerntem reichen hier oft wenige Minuten pro Woche. Für Klassenarbeiten sei es zudem durchaus sinnvoll, Spickzettel anzufertigen – die man dann nicht einmal benutzen muss, da man das Thema auf kleinem Raum strukturiert zusammengefasst hat. Ein weiterer Tipp von Jürgen Möller sind werbefreie Lernplattformen, die es den Kindern ermöglichen, individuell, unter Einbezug verschiedener Sinne, im eigenen Tempo und häppchenweise zu lernen. Empfehlenswert sind hier z.B. Scoyo, Bettermarks oder Sofatutor. Eltern, die die monatlichen Kosten dafür nicht aufbringen können, können sich an den LVB Lernen wenden für einen Zuschuss.

Im zweiten Teil des Abends ging es es um die unterschiedlichen Lerntypen, in welchen man sein Kind (oder auch sich selbst) wiederfinden konnte. Vier gibt es insgesamt, jeder Mensch hat von jedem etwas, aber meist einen dominanten Typus. Man unterscheidet den logisch-abstrakten, den sicherheitsliebenden, den emotionalen und den kreativ-chaotischen Lerntyp. So unterschiedlich wie die Kinder sind auch diese Lerntypen, der erste hat eine schnelle Auffassungsgabe, braucht Fakten und liebt die Grammatik, der zweite hingegen ist stets auf Sicherheit bedacht und liebt es, auswendig zu lernen, will Fehler vermeiden. Der dritte ist der „Unruhegeist“ und muss sich bewegen, wenn er „arbeitet“, rennt beispielsweise auf und ab beim Lernen, und der letzte Lerntyp ist fantasievoll und kreativ, dafür aber auch oberflächlich, was die Ordnung angeht.

Jeder Lerntyp braucht eine besondere Art von Belohnung bzw. Motivation, so Möller. Er empfahl grundsätzlich, nicht materiell, sondern durch gemeinsam verbrachte Zeit zu belohnen und nicht nur die guten Noten zu honorieren, sondern besonders die intensiven Lernphasen direkt im Anschluss, unabhängig vom Ergebnis der Klassenarbeit.

Fazit: es war ein amüsanter, interessanterer und sehr informativer Vortrag, der sicherlich vielen Eltern (und somit auch deren Kindern) neue Ideen für zukünftige Lernstrategien vermitteln konnte. Infos zum LVB Lernen e.V. unter www.lvb-lernen.de. Ausführlichere Informationen zu den vier Lerntypen und den kompletten Vortrag gibt es hier (Passwort vortrag)