Gesellschaft – quo vadis?      Mensch – wohin gehst du?

440px-Human_evolution_scheme_(2)1972 hat der Club of Rome den Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ in die Öffentlichkeit gebracht. Spätestens seit dem wissen wir, dass unser Lebensstil auf Dauer nicht tragbar ist für die Natur und für uns Menschen. Denn wir existieren nicht außerhalb  der Natur und steuern diese, sondern wir sind ein Teil ihres komplexen Systems und untrennbar mit ihr verbunden. Was sich in den letzten vier Jahrzehnten geändert hat, sind kleine Schritte, die auf Dauer nicht ausreichen. Wir werden die Probleme von heute nicht mit den Methoden und Denkweisen von gestern lösen können. Das wusste schon Albert Einstein. Es geht nicht mit Raparieren und Optimieren, sonder nur mit Transformieren. Wir brauchen neue Denkansätze, neue Lebensmodelle, eine neue Wirtschaftsethik. Wir WISSEN das alles, aber wir HANDELN nicht nach diesem Wissen. Wir tun so, als ob wir es gar nicht wüssten. Oder wir reden uns damit raus, dass wir machtlos sind und die Politiker „daran Schuld sind“. Aber die Gesellschaft, das sind wir alle, jede/r Einzelne von uns. 1979 hat der Club of Rome diese Diskrepanz zwischen Wissen und  Verhalten als „Das menschliche Dilemma“ bezeichnet und ein Buch darüber veröffentlicht. Der Club of Rome forderte schon damals als Fazit des Buches: wir brauchen eine Revision der gegenwärtigen, konventionellen Bildungskriterien.

Nun sind bereits vier Jahrzehnte vergangen und viele Menschen entwickeln zwar ein zunehmendes Bewusstsein für unsere Probleme, aber wir handeln immer noch hauptsächlich reaktiv statt antizipatorisch. Der Club of Rome bezeichete dies als „Schock-Lernen“. Maximierung von Wissen und Perfektionierung von Können allein vermögen die Weltprobleme nicht nur nicht zu lösen, sie verschärfen sie noch (vgl. S. 18, 25, 192). „Die gegenwärtigen Bildungskriterien müssen durch eine ethische Dimension vervollständigt werden“ (S. 127). Lernen muss antizipatorisch und partizipatorisch sein, nur dann können wir auch vorausschauend handeln! Wir brauchen Wissen PLUS Verantwortung, Visionskraft, Handlungsmut/Zivilcourage, Spiritualität und Intuition. Und das sollte an unseren Schulen in den Mittelpunkt der Lerninhalte rücken.

Die Frage „WIE wollen wir eigentlich in der Zukunft leben?“ kann nur mit einer kollektiven Kreativität beantwortet werden. Die Autoren des Club of Rome von „Die Grenzen des Wachstums“ sehen heute fünf Ansätze, diesen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit voranzutreiben:
 Entwicklung von Visionen  –  Aufbau von Netzwerken – Wahrhaftigkeit – Lernbereitschaft – Nächstenliebe

Beispiele für gesamtgesellschaftliche und wirtschaftliche Lösungsansätze und Netzwerke
1. Gemeinwohlökonomie – gemeinsam Gesellschaft von unten gestalten

Die GWÖ ist eine praktisch umsetzbare Alternative für UnternehmenGemeinden, Bildungseinrichtungen und Insitutionen, die ihre Aktivitäten auf den Faktor des Gemeinwohls ausrichten. Ziel ist ein gutes Leben für alle Lebewesen auf unserem Planeten. Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung sind dabei die zentralen Werte.

Die Gemeinwohl-Ökonomie orientiert sich am eigentlichen Zweck des Wirtschaftens – der Erfüllung unserer menschlichen Bedürfnisse. Dabei geht es vor allem um gelingende Beziehungen: Sie sind die Voraussetzung, um glücklich zu sein – sie sind Voraussetzung für das Gemeinwohl. Das Gemeinwohl lässt sich nicht an monetären Größen messen. Im Land Buthan wird seit 2010 z.B. das Bruttonationalglück gemessen.

Die GWÖ entstand im Jahr 2010 druch die Initiative von Christian Felber aus der Bewegung attac als Alternative zu bisherigen Wirtschaftssystemen wie Kapitalismus und Kommunismus und hat sich seitdem schnell in andere Länder weltweit ausgebreitet. Sie ist eine Bewegung von unten und kann lokal in jedem vorhandenen Wirtschafts- oder Gesellschaftssystem umgesetzt werden. Bei wachsender Ausbreitung kann sie ein System nachhaltig verändern.

Praktische Umsetzung: Unternehmen und Gemeinden  erstellen – analog zur Finanz-Bilanz – eine Gemeinwohl-Bilanz , in der die Größe des Gemeinwohl-Beitrags in Punkten bewertet wird. Es entsteht eine Selbsteinschätzung, die dann durch ein erfahrenes Team von „Gemeinwohlökonomen“ überprüft wird und in der die Größe des Gemeinwohl-Beitrags in Punkten sichtbar gemacht wird. Anhand der Gemeinwohl-Bilanz können KonsumentInnen erkennen, wie viel einzelne Unternehmen zum Gemeinwohl beitragen – und können beim Einkauf darauf achten. Politisch bietet dies die Möglichkeit, Unternehmen mit guter Gemeinwohlbilanz geringer zu besteuern. Dadurch sind dann nachhaltige, faire, demokratische und kooperative Unternehmen im Vorteil. Es entstehen menschenwürdige Arbeitsplätze und hochwertige Produkte und Dienstleistungen, während Umweltschäden und soziale Probleme zurückgehen.

Werden Sie als Unternehmen, Bildungseinrichtung oder Gemeinde aktiv und treten Sie Schritt für Schritt in ihrem Tempo der Gemeinwohlökonomie bei!

Die GWÖ in 5 Minuten
Pressebericht „Wir oder Gier – Ein anderes Wirschaftsmodell für die Welt“
Kontakte & Unternehmen der GWÖ-Community
z.B. Sonnendruck GmbH Wiesloch, Spardabank München, Vaude Sport GmbH
Gemeinden: die Städte Mannheim und Stuttgart
GWÖ für Bildungseinrichtungen (Schulen, Universitäten)
Der GWÖ-Selbsttest für Privatpersonen
GWÖ Rhein-Neckar
Termine/Vorträge zur GWÖ

2. Social Business

Die Entwicklung einer ethisch fundierten und am gesellschaftlichen Nutzen orientierter WirtschaftBuildingSocialBusiness hat seit der Pionierleistung des Friedensnobelpreisträgers Mohammad Yunus in den 80-er Jahren einen Namen: Social Business. Sein Pilotprojekt der Grameen Bank in Bangladesh hat den Weg für eine weltweite Entwicklung der Mikrokredite – Kredite für Besitzlose – initiiert. Eine Bank als echte Genossenschaft leistet einen Beitrag zum Durchbrechen des Armutszyklus. Das Prinzip dieser Bank basiert auf gemeinsamer Verantwortung udn ethischen Grundsätzen. Die Bank hat die höchste Rückzahlungsrate aller Banken der Welt. Die Ideen des Social Business fassen Jahr für Jahr Fuss und breiten sich aus.

Mohamad Yunus erklärt Social Business https://www.youtube.com/watch?v=AV4WQV32ijs
But what if work was social again? https://vimeo.com/3504198
Business Innovation – rethinking business, organization & leadership http://vimeo.com/13540080

Ein Social Business ist ein profitables Unternehmen, das ohne Dividenenausschüttung an Kapitalgeber zur Lösung eines gesellschaftlichen Problems beiträgt.

  • Das Unternehmen bezahlt marktgerechte Löhne und schafft gute Arbeitsbedingungen für die Menschen, die dort arbeiten
  • Es darf Gewinne erwirtschaften. Diese werden für die Weiterentwicklung im Unternehmen oder in die Replikation des Unternehmens investiert, oder in ein neues Social Business mit neuem Zweck
  • Um ein Social Business zu erschaffen, kann entweder ein neues Unternehmen gegründet werden oder ein bestehendes in ein Social Business transformiert werden
  • Ein Social Business hat drei Ebenen von gesellschaftlichem Nutzen: über das Produkt selbst, durch das Schaffen einer Wertschöpfungskette vor Ort, durch Ausschüttung von Dividenen an genossenschaftliche Miteigentümer (in diesem Fall , da es an Benachteiligte im eigenen Land geht – z.B. bei der Grameen Bank.)

Um Social Businesses in den Wirtschaftsalltag zu bringen, sind kreative Unternehmer notwendig (Entrepreneurship). Der Unternehmergeist ist in Deutschland weniger ausgeprägt als in vielen anderen Ländern, da unsere Kultur und Schulbildung uns lehrt, Scheitern um jeden Preis zu vermeiden. Wir sind nicht fehlerfreundlich, das führt zu weniger Innovationsfreundlichkeit. Vorreiter sind Japan, Frankreich ,Indien, Kolumbien und Albanien. In Deutschland sind einige große Unternehmer sowie Stiftungen und Initiativen offen für die Ideen. Was wir brauchen, um die Bewegung auszuweiten, sind Change Agents, die bestehende Unternehmen von innen verändern. Das Thema ist hier ganz ähnlich wie in unseren Schulen.

Beispiele für Social Businesses:

Multiplikatoren von Social Business:

Grameen Creative Lab Wiesbaden unter M. Yunus : http://www.grameencreativelab.com/
Social Impact Net + Lab http://socialimpact.eu/ , http://socialimpact.eu/lab
Ashoka: http://germany.ashoka.org/
Junior Achivement Young Enterprise -Ja-YE: http://www.ja-ye.org/

Ein weiterer Lösungsansatz: Kulturwandel in Unternehmen

Viele Unternehmensführer wissen, dass der rapide Anstieg von Komplexität die größte Herausforderung ist, denen sich Unternehmen stellen müssen. Diese Komplexität kann nur von begeisterungsfähigen, kreativen Mitarbeitern bewältigt werden. Momentan leiden jedoch immer mehr Menschen unter Burnout, Depressionen und anderen psychischen Krankheiten. Wie kann man die alte Kultur der menschlichen und ökologischen Ressourcenausnutzung durch eine innovative Kultur der Potentialentfaltung ersetzen? Wie kann eine grundlegende Veränderung unserer bisherigen Haltungen, Überzeugungen und inneren Vorstellungen – unseres „ mindset“ – gelingen?

Lösungsansätze, Inspiration und Beispiele bietet die Initiative Kulturwandel in Unternehmen und Organisationen von Gerald Hüther und Sebastian Purps-Pardigol auf ihrer Webseite.
Ein international bekanntes Beispiel einer zukunftsweisenden Unternehmenskultur kommt aus Brasilien und ist bekannt als „The Semco-Way“ – der ungewöhnlichste Arbeitgeber der Welt. In den Unternehmen der Semco-Gruppe, gestaltet von Ricardo Semler, wählen die 3.000 Mitarbeiter ihre Vorgesetzten (demokratisch!), entscheiden über Arbeitszeiten, Gehäter und die Aufteilung von Gewinnen, eine Personalabteilung gibt es nicht und die Bilanzen sind für alle Mitarbeiter transparent. Die Mitarabeiter führen die Geschäfte in kompletter Eigenverantwortung. Mit mehr wirtschaftlichem Erfolg als vorher! Mehr Infos dazu hier.

Design Thinking

Design_ThinkingEin wichtiger Katalysator ist die Entwicklungsmethode des Desing Thinking: es geht darum, Innovationen hervorzubringen, die sich am Nutzer orientieren und dessen Bedürfnisse befriedigen. Es erfolgt eine Kontexterweiterung durch Einbeziehung ALLER Beteiligten mit unterschiedlichen Perspektiven (Mitarbeiter, Kunden, diverse Altersgruppen/Kulturen/….) und durch eine sehr genaue Bedarfsanalyse am Nutzer. Dann erfolgt sehr schnell ein Prototyp als Lösung, die sofort realisiert und am Nutzer getestet wird. Hier eine meiner Meinung nach gute Definition im Web: http://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/design-thinking. Design Thinking führt oft automatisch zu Ideen mit sozial innovativem Charakter, da der Prozess die Bedürfnisorientierung des Menschen in den Mittelpunkt rückt. Die Methode wird seit 2007 vom Hasso Plattner Insititut in Potsdam vorangetrieben und auch bereits im Kontext von erziehungswissenschaftlichen Methoden an Schulen erforscht und getestet. Hier besteht eine Zusammenarbeit mit der Evangelischen Schule Berlin Zentrum. http://www.hpi.uni-potsdam.de/d_school/studium/dozenten/andrea_scheer.html?L=0
Auch die Initiative Neues Lernen nutzt diesen Prozess in ihren Workshops und bringt Entwickung in unsere Schulen. www.initiative-neues-lernen.de

 

Buchempfehlungen (bei Amazon ansehen, im lokalen Buchhandel bestellen):

Die Gemeinwohl-Ökonomie – erw. Auflage 2017/Felber
Ethischer Welthandel – Alternativen zu TTIP, WTO & Co, 2017/Felber
Scoial Business – von der Vision zur Tat/M. Yunus
Das Semco-System – Management ohne Manager
Durch die Decke denken – Design Thinking/Erbeldinger+Ramge
Eine bessere Welt unternehmen – Peter Spiegel (2011): Ideen und Inspiration für gesellschaftliche Innovationen und social Entrepreneurship
Denk die Welt weiter – Genesis Institute for Social Innovation (2012): 25 Ideen, selbst die Zukunft zu gestalten

Wer bis hier gelesen hat, ist bereit, die nächsten Schritte zu gehen:

  • Erzähle weiter davon, verbreite die Ideen
  • Finde deine Vision, deinen Beitrag für unsere Gesellschaft
  • Werde zum Change Agent und verändere dein Unternehmen, deine Schule, dein Umfeld, deine Prioritäten im Leben!